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Interview mit Livia Lustenberger | Geschäftsführerin

Wie und über welchen beruflichen Weg bist Du zur okaj zürich gekommen? Beschreib uns Deinen Werdegang.
Nach meinem Studium an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit mit Studienrichtung Soziokultur habe ich bei der Jugendanimation Horw (LU) als Jugendbeauftragte begonnen. Viele Jahre war ich an der Basis u. a. für mobile Jugendarbeit, aber auch für die offene Arbeit mit Kindern zuständig.

Bei der Stadt Zofingen wurde das Themenfeld etwas breiter, indem ich als Leiterin Kind Jugend Familie mit einem knapp zwanzigköpfigen Team Ansprechperson für gesellschaftliche Themen des Zusammenlebens war. Zu meinem Aufgabengebiet gehörten neben der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auch Frühe Förderung, Schulsozialarbeit, Integration und Freiwilligenarbeit.

Seit meinem Berufseinstieg in der Soziokultur war ich stets in Vorständen von kantonalen Dachorganisationen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit engagiert. Während fünf Jahren war ich zudem Präsidentin des Dachverbands Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz (DOJ/AFAJ).

Wenn Du auf Deine bisherige berufliche Karriere zurückblickst, welche Stationen und/oder Erlebnisse kristallisieren sich als (positive oder negative) Schwerpunkte heraus?
Mein Ausbildungspraktikum bei der Jugendanimation Horw während meines Studiums war wegweisend. Es hat mich darin bestärkt, dass mir die Arbeit mit Kindern und vor allem Jugendlichen im ausserschulischen Setting sehr entspricht.

Jugendliche sind für mich die interessanteste Altersgruppe der Bevölkerung. Die Jugend stellt oft einen Spiegel der Gesellschaft dar, provoziert und belebt zugleich unser Zusammenleben.

In Zofingen habe ich miterlebt, wie eine jugendkulturelle Bewegung mit viel Durchhaltewillen für ein Kulturhaus gekämpft hat. Dieses Vorhaben konnte ich in meiner Berufsrolle unterstützten. Das OXIL zählt heute zu einem kantonal anerkannten und partizipativ geführten Kulturhaus für und von jungen Menschen.

Mit einem Blick zurück: Was waren die grössten Herausforderungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) und Kinder- und Jugendförderung (KJF), positiv oder negativ, der letzten Jahre?
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit/Kinder- und Jugendförderung konnte sich zwar vielerorts etablieren. Auf kantonaler Ebene wie auch auf kommunaler Ebene bestehen jedoch unterschiedliche Rechtsgrundlagen und die Finanzierung ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Dies habe ich auch als Präsidentin beim DOJ erlebt. Wir mussten ein Jahr ohne Leistungsvereinbarung mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen finanziell überbrücken. Das forderte viel Energie, stärkte am Ende aber auch unsere Position.

Eben ist ein neues Jahrzehnt angebrochen: Wo siehst Du die grössten Herausforderungen für die OKJA und KJF in den nächsten ein bis zwei Jahren?
Covid-19 wird sicherlich einen Einfluss haben, einerseits auf unsere Zielgruppen und damit auf den Inhalt unserer Arbeit. Andererseits wird es wirtschaftliche Herausforderungen geben, was für nicht-verankerte Fachstellen der OKJA/KJF einen Nachteil darstellen könnte.

Wird die SarsCov2-Jahrhundertpandemie die Schweizer Jugend und die Jugendbewegung(en) nachhaltig verändern und wenn ja, in welcher Art und Weise?
Aktuell würde ich sagen, ja, wobei das davon abhängig ist, wie lange die Pandemie noch andauert. Eine Generation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche in ihren persönlichen Bedürfnissen und Wünschen u. a. nach Freiheit und Selbstbestimmung eingeschränkt wird, hat ungünstige Voraussetzungen für das Aufwachsen und Erwachsenwerden.

Zurück zu Dir: Was überrascht andere immer wieder, über Dich herauszufinden?
Dass ich seit meiner Jugend gerne Hip-Hop höre. Früher zum Leid meiner Mutter, welche als Rolling-Stones-Fan dem Sprechgesang gar nichts anhaben konnte ;-).

Zu guter Letzt: Wie hast Du die okaj zürich als bisher Externe erlebt und was wünschst Du ihr für die Zukunft?
Gerade in meiner Funktion als Präsidentin des DOJ war und ist die okaj zürich ein Vorbild für viele kantonale Dachorganisationen. Sie ist innovativ, agil und offen, ihr Wissen zu teilen. Das wünsche ich ihr auch für die Zukunft!

(okaj zürich, im Januar 2021)